Wer Brett- oder ähnliche Spiele aus dem häuslichen Umkreis kennt, der weiß, dass sich alle an die Regeln halten müssen. Wenn die Regeln allgemein bekannt sind und niemand „mogelt“, ist das kein Problem.
So weit, so gut. Doch die Liebesspiele, die wir kennen (oder eben noch nicht kennen) haben „hausgemachte“ Regeln. Theoretisch gibt es vier Spielvarianten:
Das beliebteste Spiel um die Liebe hat fast jeder Mensch schon einmal gespielt: Es ist der Flirt.
Bei diesem Spiel ist das Interessante, dass einer der Partner seine Attraktivität testen will. Also verwickelt er (oder sie) jemanden in ein Gespräch, bei dem es um die Sinnlichkeit geht. Die Regeln sind normalerweise klar: Alles ist gedanklich möglich, aber es kommt nicht zu sexuellen Handlungen. Dennoch wird vom anderen erwartet, dass er/sie ernsthaft versucht, die andere Person mit der eigenen erotischen Persönlichkeit zu verführen.
Das Spiel kann aber auch so aussehen, dass eine Person „Flirtsignale“ absetzt, aber dies kaum bemerkt, währen eine andere Person, die ein guter Empfänger von Körpersprache ist, diese versteht und darauf eingeht. Was nun passiert, ist einzigartig: Beide testen aus, wie attraktiv sie aufeinander wirken, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Wenn eine Person das Regelwerk beherrscht und ein wahrer Spieler oder eine wahre Spielerin ist, die andere Person aber weitgehend naiv, so handelt es sich um den Versuch einer Verführung. Sie kann ein Spiel mit „gezinkten Karten“ sein aber auch durchaus erwünscht sein. Jedenfalls zieht die Person, die verführen möchte, dann alle Register. Die Regeln des Spiels sind bekannt, und sie werden nicht verletzt – aber einer von beiden spielt „blind“ nach den Regeln des anderen Spielers.
Die letzte Variante kann wirklich schrecklich sein: Die Liebe ist nur ein Vorwand, tatsächlich verfolgt eine Person ganz andere Ziele. In der Folge kommt es dann zu unerwünschten Handlungen, Irritationen, Streit und manchmal gar zu Gewalt.
Bei erotischen Rollenspielen sind die Rollen fixiert – die Handlungen aber nicht. Heißt das Spiel: „Die Gouvernante, die Disziplin fordert und der aufsässige Zögling“, so ist nur klar, wer was spielt – aber noch nicht, wie weit die Gouvernante gehen darf. Es wird also ausgehandelt, wie der aufsässige Zögling bestraft wird, welche Mittel dabei angewendet werden und wie weit eine mögliche Züchtigung gehen darf.
Abseits von den berühmten Disziplin-Spielen (50 Shades of Grey) gibt es andere Spiele, bei denen die Rolle eines (einer) Dritten im Voraus definiert wird. Er oder sie kann nicht erwarten, die Regeln zu kennen, weil bei jeder Triole andere Regeln gelten. Bei Dreiern ist es meist so, dass die Paare, die einladen, schon lange wissen, was sie tun wollen und was sie dulden können, während „Dritte“ naiv sein können.
Nach dieser Abschweifung geht es zurück in die Zweisamkeit: Auch ohne Rollenspiel-Absicht kann es bei Zärtlichkeiten oder Sex zu einem Konflikt kommen: Was ist mit analen Lüsten? Welche Arten von Oralverkehr will ich in welchen Situationen? Ist ein Finger im Anus erwünscht oder Frevel? Kann ein Klaps die Lust anheizen oder tötet er die Liebe?
Die Bandbreite ist groß, zumal das „normale“ Liebesleben dann und wann auch außer Kontrolle gerät – beispielsweise, wenn einer der Partner etwas Überraschendes plant oder plötzlich entdeckt, dass in etwas „ungewöhnliches“ sexuell erregt.