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Bisexuell zu sein heißt „mit beiden Geschlechtern getrennt oder gemeinsam den Geschlechtsverkehr auszuüben“. Der Begriff geht auf den deutsch-österreichischen Psychiater Krafft-Ebing zurück. Aus seinem Buch Psychopathia Sexualis (Siebte Auflage) erfuhr der amerikanische Neurologe Charles Gilbert Chaddock davon, der den Begriff zuerst im englischsprachigen Raum verwendete. Erst ab 1972 wurde dem Begriff so viel Aufmerksamkeit geschenkt, dass er in die „gehobene Bürgersprache“ einging. Sprüche wie „ein bisschen bi schadet nie“, machten die Runde und alle, die Interesse an beiden Geschlechtern hatten, waren von dieser Zeit an als „bisexuell“ bezeichnet. Im Allgemeinen werden heute damit alle Personen etikettiert, die weder eindeutig homosexuell noch eindeutig heterosexuell sind.
Ob „Bisexualität“ wirklich eine sexuelle Orientierung ist, wird seit dem 21. Jahrhundert mehrfach bezweifelt und zugleich wird die Frage gestellt, ob ein Begriff wie „Heterosexualität“ überhaupt existieren sollte. Grundlage ist die Beobachtung, dass alle Menschen eine gewisse Lust auf das eigene wie auch das andere Geschlecht haben. Zudem wurde beobachtet, dass es einen Unterschied zwischen „sexuellen Ausrichtungen“ und „sexuellen Praktiken“ gibt. In diesem Sinne sind Menschen „überwiegend bisexuell“, wenn sie nicht ausdrücklich homosexuell sind.
Bisexuell sein heißt „mit beiden Geschlechtern getrennt oder gemeinsam den Geschlechtsverkehr auszuüben“ und dies als wichtigen Bestandteil der eignen sexuellen Orientierung zu sehen.
Als Bisexuell galt in der Wissenschaft viele Jahre nur eine Person, die mit beiden natĂĽrlichen Geschlechtern den Geschlechtsverkehr ausĂĽbte oder sich dies jedenfalls wĂĽnschte. Inzwischen wird diese Etikettierung kaum noch benutzt. Ein Lexikon, das der LGBT-Szene nahesteht, sagt dazu:
„Als Bisexuelle werden Männer und Frauen bezeichnet, die sich emotional und/oder sexuell sowohl zu Männern als auch zu Frauen hingezogen fühlen. Sie können mit den beiden Geschlechtern sexuelle oder nicht-sexuelle, emotionale Beziehungen eingehen oder sich dies wünschen.“(1)
Andere Wissenschaftler meinen, sich für beide Geschlechter aus erotischen Motiven zu interessieren oder sinnliche Kontakte aufzunehmen, sei noch keinesfalls ein Hinweis auf Bisexualität. Vielmehr sei der Grund, die eigene Sexualität möglichst vollständig zu erforschen. Diese Personen sind demnach „situativ bisexuell“. Das heißt, sie haben den Wunsch, sich sexuell zu erforschen und zu verwirklichen udn nehmen dabei Gelegenheiten wahr, zu denen dies möglich ist. Letztlich benötigen sie nichts als eine Gelegenheit, die Nähe zu einer Person und die Neugierde, um derartige Erfahrungen zu machen.
Bei Frauen werden frühe Phasen einer offen gelebten Bisexualität vor allem in jungen Jahren beobachtet. Neben dieser „schwärmerischen“ Bisexualität wird in den letzten Jahren vermehrt von Experimentierphasen zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr berichtet.
Eine andere Frage ist, ob Menschen ganz generell bi-erotisch veranlagt sind, das heißt, ob sie beide Geschlechter erotisch attraktiv finden können. Diese Frage wird zumeist bejaht. Heute (2024) wird oft der Begriff „heteroflexiibel“ benutzt, was letztlich bedeutet, mit jeder Person, die uns attraktiv genug erschient, auch sinnliche Kontkate haben zu können.
Generell stehen Frauen viel mehr zu einer unterschwellig vorhandenen Bisexualität als Männer, die befürchten, als „schwul“ verunglimpft zu werden, wenn sie sich auch nur zu erotischen Fantasien bisexueller Art bekennen.
(1) Zitiert nach bpb.de